Obwohl die Motivation bereits ziemlich gedrückt war, warteten doch noch einige Highlights auf mich. Unter anderem fuhr ich über den Trollstigen, bestieg den Skåla und verfuhr mich gröber. Das Wetter bleibt weiterhin ein brisantes Thema.
Beitragszeitraum: 15. – 21. September 2020
Tag 71 Molde – Valldal
Einmal mehr klingelte mein Wecker um 7 Uhr. Es galt nämlich als erstes eine Fähre zu erreichen. Ich schlief nicht besonders gut. Langsam wird es irgendwie zum Problem, dass mein Körper physisch zwar müde ist aber psychisch überhaupt nicht. Nichts desto trotz packte ich meine Sachen und machte mich bei leichtem Regenschauer auf zum Hafen.
Pünktlich am Hafen angekommen, wartete bereits die Fähre auf mich. Es war wieder eine Personenfähre. Ich finde die cool und war trotz des schlechten Wetters ziemlich motiviert. Ein zusätzlicher Grund dafür könnte auch mein Tagesziel, der Trollstigen, sein. Damit hätte ich ein weiteres Ziel auf meiner imaginären Liste abgehakt.
Mein Rad auf der Fähre parkiert, wollte ich ein Ticket kaufen. Der etwas ältere Mitarbeiter fragte mich wohin es gehe und woher ich komme. Nachdem ich ihm meine Geschichte erzählt hatte, war er so erstaunt und hatte vermutlich auch ein wenig Mitleid, dsoass ich kein Ticket kaufen musste. Als ich, am andern Ende angekommen, die Fähre verlassen wollte, streckte er mir noch eine Packung Riegel entgegen und wünschte mir viel Spass auf meiner Weiterreise. Es sind oft diese kleinen Sachen, die Freude der Menschen, welche mir zusätzlich etwas Motivation verleihen. So war es auch dieses Mal und ich machte mich vorerst glücklich auf den Weg.
Es ging entlang eines Fjords. Die Aussicht wurde immer besser und besonders die Tunnelumfahrungen konnte ich ohne Verkehr geniessen. Der Regen hielt sich auch in Grenzen, sodass ich immerhin nicht komplett durchnässt wurde. Bei einer Tankstelle machte ich kurz einen Aufwärmstopp, bevor es an die nächste Tunnelumfahrung ging. Einer meiner Routenplaner meinte ich solle durch den Tunnel der andere meinte der Weg aussen herum sei auch möglich. Da ich keine Lust hatte durch einen sechs Kilometer langen Tunnel zu radeln, entschied ich mich für die zweite Variante.
Am Anfang fuhr ich auf einer wunderbaren Strasse, etwas zugewachsen aber geteert. Irgendwann überholte mich ein Transporter und ich war über den unerwarteten Verkehr erstaunt. Bis die Strasse unerwarteterweise endete. Der Transporter war verschwunden, vermutlich zu einem kleinen Ferienhaus am Meer und ich fragte mich bereits jetzt wieso er nicht kurz angehalten und mir gesagt hatte, dass es hier nicht weiter gehe.
Ich lasse mich natürlich nicht von einer nicht vorhanden Strasse beindrucken und schaute mich nach einem Weiterweg um. Auf den zweiten Blick fand ich diesen auch und stellte fest, dass er auch mehr oder weniger gut zu fahren ist. Dieser Zustand sollte aber nicht lange anhalten. Bald darauf war der Weg abgerutscht. Der Rutsch war nicht riesig und ich ging erst ohne Fahrrad rüber, um festzustellen ob der Weg überhaupt weiter geht. Auf der anderen Seite fand sich wieder einen relativ guten Weg. Ich habe die Taschen abmontiert und alles auf die andere Seite des Rutsches gebracht. Drüben wieder montiert und weiter gings.
Zwischendurch war zu erkennen, dass hier einmal eine Strasse gewesen sein muss. Alles war aber so zugewachsen, dass man vom Belag nichts mehr sah. Einige Meter konnte ich fahren, bis das nächste Hindernis vor mir stand. Der Weg führte durch einen Tunnel, der aber mit einem riesigen Eisentor verschlossen war. Nachdem ich mich erstmal ziemlich genervt hatte und keine Lust empfand alles wieder zurück zu schieben/fahren/tragen, schaute ich mich erneut nach einem weiteren Weg um.
Schlussendlich fand ich nach etwas suchen auch einen Pfad zwischen einigen Büschen hindurch. Als erstes ging ich ohne Fahrrad ein Stück dem Weg entlang um zu sehen, ob nochmals solche Hindernisse kommen. Ich stellte fest, dass es eigentlich hier weiter gehen müsste, holte mein Fahrrad und buckelte es über den steinigen Weg.
Mein Optimismus dauerte nicht lange an. Ich fand mich in einem weiteren Tunnel wieder. Dieser war aber komplett eingestürzt und es führte auch kein Weg daran vorbei. Vor lauter Frust schrie ich das erste Mal auf dieser Tour einige Fluchwörter aufs Meer hinaus. Es gab aber keine andere Wahl, als alles wieder zurück zu manövrieren.
Einige Zeit später war ich zurück auf der Strasse und machte erstmal bei einem Picknickplatz eine Mittagspause. Frisch gestärkt ging es dann halt trotzdem durch den sechs Kilometer langen Tunnel. Ich war mir immer noch nicht ganz schlüssig, ob ich über den Vorfall und das daraus resultierte Abenteuer erfreut oder erbost sein sollte.
Erst nach dem Tunnel ging es ans eigentliche Abenteuer des Tages. Der erste richtige Pass stand auf dem Plan. Es ging 900 Höhenmeter nach oben auf den Trollstigen. Und das bei einer Steigung von bis zu 10%. Schön langsam machte ich mich an den Aufstieg. Die Fahrt durch die Landschaft fühlte sich an, als würde ich zuhause einen abgelegenen Pass hochfahren. Etwas weiter oben begannen auch die Serpentinen, entlang einer Felswand und einigen Wasserfällen.
Circa 100 Höhenmeter unter der Passhöhe befindet sich der bekannte Aussichtspunkt, bei dem ich erstmal einen Halt einlegte. Die Landschaft war zwar ziemlich wolkenverhangen, trotzdem war der Ausblick imposant. Ich war fast der einzige beim Aussichtspunkt und das Café und der Souvenirshop hatten gar nicht geöffnet.
Die Aussicht fertig genossen und einige Fotos gemacht, gings an die letzten Höhenmeter für diesen Tag. Geduld, um die Höhnmeter langsam anzugehen, hatte ich keine mehr und prügelte mein Rad auf die Passhöhe. Oben angekommen war alles Nebelverhangen und ich sah quasi nichts. Ich zog mir kurz wärmere Kleidung an und machte mich auf die Abfahrt.
Es standen mehr als 30 Kilometer Abfahrt vor mir. Im ersten Moment freute ich mich riesig darüber. Das war ja quasi der Traum jedes Radfahrers. Nach einiger Zeit wurde es aber immer kälter und nässer und ich wollte nur noch endlich unter eine warme Dusche.
Auf dem ersten Campingplatz im Dorf angekommen, die Dusche schon vor Augen, war niemand vorort. Ich rief kurz an und der Herr meinte, dass sie keine Hütten hätten, aber ich solle es etwas weiter unten versuchen. Auch dort war niemand Vorort. Dafür standen sogar drei Telefonnummern an der Tür. Problem war nur, dass niemand der Drei sein Telefon entgegennahm. Weiter gings zum ersten Hotel, welches mir aber zu teuer war. Die Besitzerin dieses meinte aber, ich solle es da drüben versuchen, dort sei es billiger. Auch ein Haus weiter fand ich nur eine Telefonnummer und die Person am andern Ende teilte mir mit, dass vor einigen Minuten gerade alle Zimmer gebucht wurden und sie leider keinen Platz mehr hätte.
Mich bringt ja unterdessen scheinbar fast nichts mehr aus der Ruhe und ich versuchte nochmals die drei Nummern des zweiten Campingplatzes zu erreichen. Erneut ohne Erfolg. Immerhin erhielt ich kurz darauf eine SMS, ich solle mich per Text melden. Kurz klärte ich die Preise und Verfügbarkeiten, während ich mich bereits um meinen Einkauf kümmerte. Die Preise waren sehr hoch, aber ich hatte unterdessen keine andere Wahl mehr.
Den Einkauf erledigt, machte ich mich auf den Weg zum Campingplatz. Die Rezeption war unterdessen besetzt und ich konnte erleichtert eine Hütte buchen. Die Mitarbeiterin hat mir aus Mitleid, mit dem Kommentar «Es scheint so als hätte ich einen warmen Ort nötig» einen guten Rabatt gegeben, sodass der Preis nur noch ein wenig schmerzte.
An diesem Punkt war mir der Preis aber auch relativ egal und ich wollte nur noch in die Wärme, unter eine warme Dusche und etwas essen. Was war das für ein abenteuerreicher Tag!



Der Beginn des Weges.. Sieht doch toll nach Singletrail aus! 


Mein lieblings Strassenschild 











Tag 72 Valldal – Loen
Mal wieder befinden sich auf der heutigen Etappe zwei Fährfahrten. Die Zeiten und Distanzen, welche zwischen den beiden Fähren liegen, sind für mich als Radfahrer etwas ungeeignet. Ich war noch etwas müde von der gestrigen Etappe und hatte definitiv keine Motivation mein Wecker schon um 6 Uhr klingeln zu hören. Also entschied ich mich den ganzen Tagesablauf etwas nach hinten zu verschieben, um gemütlich ausschlafen zu können. Das Risiko, dass es am Abend etwas später werden könnte, war mir bewusst. Wie früh es aber unterdessen bereits dunkel wird, war mir noch nicht klar.
Der Wetterbericht hatte für diesen Tag, im Vergleich zu den letzten Wochen, relativ gutes Wetter angesagt und ich zog optimistisch wie ich bin meine Radhose, anstelle der Regenhose an. Als ich meine Hütte verliess, begann es aber bereits einige Tropfen vom Himmel zu werfen und ich war mir meiner Entscheidung nicht mehr so sicher. Es waren jedoch nur einige Kilometer bis zur ersten Fähre und damit für kurze Zeit ins Trockene, um mich allenfalls umentscheiden zu können.
Da ich mich in der Zwischenzeit wieder in ziemlich besiedeltem Gebiet befand, fahren die meisten Fähren regelmässig und nicht nur alle drei Stunden. So auch diese und ich konnte mich nach einer kurzen Überfahrt an den Ersten von Zwei Anstiegen dieses Tages widmen.
Schön gemütlich ging es die angenehme Steigung nach oben und die Sonne zeigte sich sogar manchmal. Erneut fühlte ich mich wie zuhause. Es sieht absolut identisch aus.
Oben auf dem etwa 600 Meter hohen Pass angekommen, bot sich mir bereits eine wunderbare Aussicht auf einen kleinen Teil des Geirangerfjords. Mein Mittagessen musste ich dank des Windes und Halbregens nichts desto trotz in allen meinen Jacken geniessen, bevor es auf die steile Abfahrt ging.
Auf dem Weg nach unten befand sich eine Aussichtsplatzform, von welcher aus man eine gigantische Aussicht über den Fjord hatte. Ich hielt nur kurz, da es mir bereits etwas kalt war, um ein paar Fotos zu machen. Auf der restlichen Abfahrt musste ich gefühlt das erste Mal meine Bremsen richtig in Anspruch nehmen und war froh, dass mir diese bei diesen Temperaturen immerhin nicht überhitzen konnten.
Direkt als ich unten ankam, fuhr bereits die Fähre ein und ich konnte an die Wärme an Bord. Die Fähre brachte mich durch den Geirangerfjord. Die Aussicht war brutal. Ein wirklich sehr spezieller Anblick, wie es links und rechts senkrecht 1000 Meter in die Höhe ging.
Eine Stunde später war die Fährfahrt vorüber und ich musste mich wieder mit meiner Muskelkraft voran bewegen. Am Hafen traf ich noch kurz auf zwei Rennradfahrer, welche mir aber auch nicht sagen konnten, ob meine geplante Route fahrbar ist.
Ja ich bin unterdessen etwas vorsichtiger mit meiner Routenplanung. Komoot zeigte mir eine Route über einen «abgelegenen» Pass an. Der Karte nach zu beurteilen war da nicht wirklich eine Strasse vorhanden. Aus diesem Grund googelte ich gestern die Überquerung und stellte fest, dass auf dieser Route E-Bike Touren angeboten werden und dass da eine offizielle Route verläuft. «Wenn die das mit den E-Bikes können, kann ich das mit meinem Bike schon lange» dachte ich mir und entschied mich die Route wie geplant zu fahren.
Die ersten paar Hundert Höhenmeter legte ich auf einer angenehmen Teerstrasse zurück, bis sich der Untergrund in eine Kiesstrasse wandelte. Das war ja auch noch nicht wirklich ein Problem, also ging es weiter nach oben. Irgendwann wurde die Strasse bis zu 15% Steil und ich musst entgegen meinem Stolz mein Rad schieben. Irgendwann ist es halt wirklich einfach zu steil 😊 Es waren aber nur zwei/drei kurze Schiebepassagen, bis ich mich beim Ersten von zwei Seen befand.
Der Weg entlang des Sees war mittlerweile etwas schwieriger zu fahren und ich kam nur langsam voran. Nach einer kurzen fahrbaren Steigung fand ich mich auf einem Singeltrail beim zweiten See. Es fühlte sich an, als ob ich mich auf dem Wanderweg dem Klöntal entlang befinde. Auch technisch etwa auf dem gleichen Niveau. Vielleicht ein Müü einfacher.
Langsam aber mit vollem Genuss fuhr ich dem Trail entlang. Ab und zu durfte ich kurz absteigen und mein Rad schieben, aber grösstenteils war es schon cool! Nach einigen Kilometern fanden sich einige Häuschen am Wegesrand und der Weg wurde zur Kiestrasse. Nicht das ihr mich hier falsch versteht, die Strasse war technisch immer noch gleich «schwierig». Als es dann endlich an die Abfahrt ging, musste ich feststellen, dass ich die 500 Höhenmeter nun über ein Strasse abfahren darf, die gleich steil ist, wie die nach Ahornen aber in einem etwas schlechteren Zustand.
Ich hoffe ihr habt nicht das Gefühlt, das Alles hätte mich demotiviert. Im Gegenteil ich fand das voll geil!
Die Zeit und das Wetter hatte ich komplett vergessen und stellte erst auf Meereshöhe fest, dass keine Wolken mehr am Himmel zu sehen sind und dass es langsam Zeit fürs Abendessen wäre. Ich hielt kurz an, kramte meine Sonnenbrille hervor, gönnte mir ein paar Gummibären und machte mich auf zum nächsten Restaurant.
Dort angekommen schnabulierte ich erstmal eine Pizza, die zwar mehr einem Raclette auf Teig glich. Beim Bezahlen wollte ich noch eine Dose Bier mitnehmen, in der Annahme im Supermarkt bekomme ich unterdessen Keins mehr. Die Wirtin erklärte mir dann, dass sie mir Keins verkaufe darf, der Supermarkt dürfe dies aber bis 20 Uhr. Die Regeln seinen von Kanton zu Kanton unterschiedlich. «Aha ach ja, hätte mir auch jemand früher sagen können» dachte ich und fuhr ab zum Supermarkt.
Kurz ein Bier geholt und bezahlt, konnte ich mich gemütlich dem restlichen Einkauf widmen. Beim Verpacken der Esswaren stellte ich fest, dass es unterdessen bereits ziemlich früh dunkel wurde und montierte meine Lichter ans Fahrrad.
In der Dämmerung ging es dann noch 10 Kilometer nach Loen, wo ich mein Zelt im Dunkeln auf dem Campingplatz aufbauen durfte, bevor ich mir mein Bier gönnte.
Tag 73 Skåla
Der Grund, warum ich gestern noch unbedingt nach Loen wollte und den Tag nicht früher beendete, lag im, für diesen Tag geplanten, Abenteuer. Die Wettervorhersage war ausnahmsweise genau für diesen Tag gut und ich freute mich riesig auf die geplante Wanderung zum Skåla.
Für die 1800 Höhenmeter hatte ich mit Pausen höchsten vier Stunden gerechnet, musste morgens also nicht sehr früh aufbrechen. Den Abstieg musste ich auch nicht am selben Tag machen, da man dort oben gemütlich übernachten kann. Entspannt genoss ich also mein Frühstück und packte meine Sachen.
Ich hatte mich natürlich etwas informiert, wie es mit diesen nicht bewirteten Hütten in Norwegen abläuft. Wie sich herausstellte, las ich aber anscheinend die falschen Infos. Nach meinen Infos mussten auf jeden Fall Schlafsack, Essen und Wasser mit. Dazu natürlich das ganze, obligate Fotoequipment. Platz hat das alles in meinem 15 Liter Rucksack nicht. Der Wart des Campingplatzes konnte mir auch nicht mit einem grösseren Rucksack aushelfen. Also band ich einen meiner Dry-Bags auf meinen Rucksack und tada: 30 Liter Rucksack und alles hatte gerade so knapp Platz.
Die ersten komischen Blicke erntete ich bereits am Parkplatz. Zwei junge Frauen in Bergschuhen und Winterkleidern meinten zu mir, sie hätten Berichte gelesen, nach denen es ganz oben 60cm Neuschnee gegeben hätte, ob ich denn keine anderen Schuhe habe.
Meine Gedanken lies ich unausgesprochen in meinem Kopf und machte mich auf den Weg. Auf dem ersten Stück hatten zwei das Gefühl, mich überholen zu müssen und ich musste mein Tempo logischerweise etwas anziehen. Nach den ersten 400 Höhenmeter gaben die aber auf und bogen auf einen anderen Weg ab.
Die nächste spannende Begegnung liess nicht lange auf sich warten. Nach etwa 550 Höhenmetern sassen zwei ältere Frauen am Wegesrand und fragten mich, wie lange ich bis hierhin gebraucht hätte. Nachdem ich ihnen meine Zeit gesagt hatte, meinten sie, dass sie bereits 1 Std. 50 Min unterwegs sind und ob es den reiche bis nach oben und zurück. Ich überschlug die Zeiten kurz im Kopf und meinte sie sollen sich ein bisschen beeilen, falls sie bei Licht nach unten möchten.
Ich ging weiter bis zu einem kleinen See, an dem ich erstmal eine Mittagspause einlegte. Als ich mit essen fertig war, kam mir eine der beiden älteren Frauen entgegen. Sie fragte, ob sie bis ganz nach oben mitkommen könne, ihre Kollegin sein umgekehrt. Ich dachte mir ja gut in diesem Tempo kannst du ja hinter mir nach watscheln. FEHLER meine Entscheidung endete damit, dass ich gefühlt alle paar Meter anhalten und warten musste. Naja ich hatte ja genug Zeit.
Während meinem Aufstieg kamen mir bereits einige Leute wieder entgegen und ich war erstaunt, wie Viele hier unterwegs waren. Sonst ist überall gähnende Leere, aber hier hat es ziemlich viele Leute. Einer meinte zu mir, ob ich oben übernachte. Als ich ihm erklärte, dass dies mein Plan sei, meinte er ob ich denn reserviert hätte. Hatte ich natürlich nicht. Die Reservation ist auch nur eine Ausnahme dank Corona.
Nach meinem, dank meiner Begleitung sehr gemütlichen, restlichen Aufstieg fand ich mich auf dem Gipfel mit einer fantastischen Aussicht wieder. Ich hoffe die Bilder sprechen für sich.
Die Hütte war schon gut voll als ich mich in die Wärme gesellte. Eine der Gruppen entschied sich, nicht hier oben zu übernachten, da für morgen schlechtes Wetter angesagt war. Sie boten mir ihren, nun freien, Schlafplatz an. Immerhin konnte ich jetzt halb legal hier schlafen. Ich hätte ja sowieso da oben übernachtet. Ich buckelte ja sicher nicht den ganzen Plunder ohne Grund nach oben.
Besonders viel Strom gab es in der Hütte nicht und ich genoss einen super romantischen Abend bei Kerzenlicht und versuchte noch einige Fotos bei nächtlicher Stimmung zu schiessen.
Tag 73 Loen
In dieser Hütte hätte es schätzungsweise Betten für 20 Personen. Im Vergleich zu den mir bekannten Massenschlägen waren hier alle Betten separat in verschiedene Zimmer unterteilt. Bewirtet wird diese Hütte nicht. Man bezahlt die Übernachtung und den Konsum einfach direkt via App und verlässt alles in ordentlichem Zustand. In Norwegen gibt es oft Hütten nach diesem Prinzip. Schade das so etwas bei uns nicht verbreitet ist beziehungsweise kaum funktionieren würde. Mein Schlafsack und das ganze Essen hätte ich also theoretisch gar nicht benötigt.
Aufgewacht bin ich in der Nacht nur ein-, zweimal wegen des jammernden Hundes unter meinem Zimmer, aber immerhin nicht durch schnarchende Bergsteiger. Auch konnte ich problemlos bis um acht Uhr ausschlafen, da niemand in einer Herrgottsfrüh auf den Gipfel wollte.
Beim ersten Blick nach Draussen zeigte sich nur Nebel. Ich genoss noch eine kurze Zeit in der Wärme und überlegt, ob ich noch eine zweite Nach hier oben verbringen sollte. Das Wetter würde dann um einiges besser. Schlussendlich entschied ich mich aber für den Abstieg heute, um morgen einen schönen Tag mit Radfahren verbringen zu können.
Auf meinem Weg nach unten kam mir kein Mensch entgegen. Scheint so als wären alle andern Touristen Schönwetterpiloten 😊 Zurück auf dem Campingplatz genoss ich trotzdem erstmal eine warme Dusche und besonders viel Spannendes ist anschliessend auch nicht mehr passiert.

Tag 74 Loen – Førde
Der Herbst hält auch bei mir langsam Einzug. Die Bäume färben sich orange und die Landschaft ist morgens oft nebelverhangen. Dieser Blick bot sich mir auch an diesem Morgen, nachdem ich meinen Wecker ausschaltete und meinen Kopf aus dem Zelt streckte.
Ich vertraute aber dem Wetterbericht auf einen wunderschönen Tag. Die ersten paar Kilometer, bis sich der Nebel verzogen hatte und die Sonne langsam zum Vorschein kam, waren noch etwas frisch. Dank der flachen Strasse entlang des Fjords, konnte ich diese aber sehr schnell hinter mich bringen.
Um die Anstiege komme ich in Norwegen anscheinend nicht herum. Vor dem Ersten machte ich eine kurze Pause beim Supermarkt zur Nahrungsaufnahme. Nun ging es mal wieder nach oben. Ich war auf jeden Fall topmotiviert. Gutes Wetter, gute Musik und nicht viel Verkehr waren verantwortlich dafür.
Bei meiner ersten Fotopause an einem Rastplatz, kam ich kurz mit einem Einheimischen ins Gespräch. Dieser gehörte wieder einmal zu denjenigen, welche über meine Geschichte mega erstaunt sind. Ich musste sogar für eines seiner Facebook-Fotos posieren. #fame
Nach dieser kurzen Verschnaufpause war es auch nicht mehr weit bis zur Passhöhe, auf der ich meine Mittagspause, bei Sonnenschein, einlegte. Frisch gestärkt ging es anschliessend auf die Abfahrt. Die Landschaft sah, mal wieder, aus wie zuhause. Unten angekommen musste ich ein Stück entlang einer grösseren Strasse radeln. Dank der schönen Umgebung war das aber nur halb so Schlimm.
Die anschliessenden Kilometer durfte ich entspannt auf einer flachen Nebenstrasse entlang eines Sees hinter mich bringen. Da es ausnahmsweise schönes Wetter war, musste auch die obligate Glacepause durchgeführt werden, bevor es auf die letzte Abfahrt ging.
Eigentlich wollte ich noch einige Kilometer weiter, da ich es bei diesem Wetter so genoss. Leider hatte der nächste Campingplatz aber nicht mehr geöffnet und Wildcampen wollte ich nicht mehr. Ich musste mich also mit der Distanz für heute zufriedengeben und auf dem näheren Campingplatz einchecken.
Mein Abendessen konnte ich sogar bei herrlichem Sonnenschein geniessen. Die letzte Aufgabe für diesen Tag lag anschliessend noch darin, ein Ticket für die Heimreise zu besorgen.
Tag 75 Førde – Hosteland
Wie konnte es auch anders sein. Meinem morgendlichen Blick aus dem Zelt zeigten sich nur Wolken. Auch der Wetterbericht hatte keine besseren Nachrichten. Der Regen hielt sich immerhin beim Zeltabbau ein wenig zurück, was aber nicht bedeutete, dass alles trocken war.
Meine Motivation war unterdessen eigentlich nicht mehr vorhanden und ich prügelte mein Rad entlang meiner Route. Das Ätzende daran war, dass ich nicht nur eine lange Steigung vor mir hatte, sondern auch diverse kleine. Ihr müsst euch vorstellen wie deprimierend es ist, die ganze Zeit 50 Höhenmeter hoch, 50 Höhenmeter bremsend runter und dann wieder von vorne.
Mein Energiespeigel sank immer tiefer. Am späteren Nachmittag musste ich eine Zwangspause einlegen, da es mich sonst vermutlich vor Hunger vom Rad geworfen hätte. Es war mal wieder Sonntag und ich hatte schon all meine Snacks gefuttert. Es blieb mir nichts Anderes übrig, als Brot mit Nutella zu verschlingen.
Mein Plan war eigentlich für diese Nacht wild zu campen. Als ich aber einen Campingplatz, nur etwas ab von der Route, entdeckte änderte ich meine Meinung rasant. Nach einem kurzen Anruf hatte ich die Gewissheit, dass der Platz geöffnet und eine Hütte frei ist.
Mit der letzten Energie schwanden die restlichen Kilometer extrem zäh daher. Zum Abendessen gab es mal wieder Spaghetti, bevor ich mich todmüde ins Bett legte.
Tag 76 Hosteland – Bergen
Der Wecker klingelte mal wieder. Ich wollte nur noch so schnell wie möglich an mein Ziel. Immerhin durfte ich nach den ersten zehn Kilometer noch ein letztes Mal Fähre fahren. Danach hiess es nur noch Kopf nach unten dem Gegenwind entgegen. Es ging, wie bereits gestern, die ganze Zeit hoch und runter. Ich war nur ein bisschen genervt.
Als ich irgendwann endlich in eine überzivilisierte Gegend kam, sah ich mein Ziel schon vor mir….. Dem war aber nicht so. Zu dem Hoch und Runter kam nun einfach noch der Verkehr dazu. Sorry an alle Autofahrer an dieser Stelle aber die Fahrt auf diesen Trottoirs war nicht möglich. Entweder waren diese in einem so schlechten Zustand, auf der falschen Strassenseite oder andauern einfach zu Ende.
Eigentlich schon am Ziel angekommen, wartete noch ein letztes Hindernis auf mich. Meine Route führte mich über einen letzten gottlos steilen Hügel. Die Anweisung meines GPS, auf den Wanderweg abzubiegen, ignorierte ich und fuhr schlussendlich nach meinem Gefühl in Richtung Ziel.
In Bergen angekommen noch kurz ein Hotel gebucht und meine Tour hatte ein Ende. Gekümmert hat mich dies aber überhaupt nicht. Ich hatte dermassen keinen Bock mehr und wollte nur noch unter die Dusche, etwas essen und ins Bett.
Zu meinem Glück befand sich direkt neben meinem Hotel eine Pizzeria, in welche ich mich fürs Abendessen begab. Nach der ersten Pizza und dem ersten Bier hatte ich aber überhaupt noch nicht genug. Als die Serviertochter vorbeikam und fragte, ob es noch etwas zu trinken sein dürfe, fragte ich ob es möglich sei eine zweite Pizza zu bestellen. Sie antworte etwas verwirrt mit einem ja und ich folgte der Aufforderung.
Auch die zweite Pizza verschlang ich ohne Probleme. Immerhin war ich anschliessend annähernd satt. Während ich die Pizza hinunterschlang, kam die Serviertochter nochmals vorbei und meinte «That’s impressive! I barley eat a half»
Bei der Bezahlung fragte ich noch ob ich denn der Einzige war, der zwei Pizzen direkt hintereinander bestellte. Sie meinte: «Ja!» Satt und etwas glücklicher gings für mich zurück ins Hotel ab ins Bett.

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Rosmarie Lienhard 23. September 2020
Lieber Tobias du bist inzwischen sicher mit allen Wassern gewaschen. Du bewältigst alle Widerlichkeiten. Ich bewundere deinen Durchhaltewillen. Auch in verzwickter Lage verlierst du
nie deinen Humor. Ich glaube ich als Wirtin hätte dir die zweite Pizza geschenkt. Eine Portion reicht für ein gewöhnlich arbeitender
Mensch. Für ein extrem Sportler wie dich ist mehr nötig.
Ich glaube du hast kein Gramm zu genommen auf deiner Reise.
Ich danke dir, dass ich deine spannende Geschichte etwas miterleben durfte. Du bist einfach super, danke ich hoffe von dir
wieder zu hören oder auch sehen. Lb. Grüsse Jeepli