Beitragszeitraum: 11. – 17. August 2020
Wie die meisten von euch schon wissen, habe ich am letzten Freitag mein erstes, grosses Zeil erreicht. Die letzten paar Tage bis dahin beschreibe ich in diesem Beitrag. Für mich ist die Reise aber noch nicht zu Ende. Sie führt mich weiter via Norwegen, zurück nach unten.
Im letzten Post habe ich ein wichtiges Foto vergessen. Ihr findet es am Schluss dieses Posts.
Tag 36 Kaamanen – Karasjok
Da triffst du tagelang fast kein Mensch und schon gar keine Radfahrer und plötzlich finden sich alle auf demselben Fleck. Aber beginnen wir von vorne, am Morgen.
Der Respekt gegenüber dem Grenzübertritt von Finnland nach Norwegen war bereits seit dem gestrigen Tag vorhanden. Ich wusste nicht ob der Grenzübergang kontrolliert wird und ob es allenfalls ein Problem sei als Schweizer nach Norwegen einzureisen. Aus diesem Grund und auch der unterschiedlichen Alters- und dadurch Fitnesslevel entschieden Andi und ich getrennt zu fahren.
Andi fuhr los und ich packte noch gemütlich mein Zelt zusammen, bevor ich mich auch auf den Weg machte. Bald verlies meine Reiseroute die stark befahrene Strasse und es wurde erneut etwas gemütlicher. Das obwohl ich mich auf der einzigen Strasse in Richtung meines Zieles befand.
Beim ersten Cafe traf ich bereits wieder auf Andi, wir genossen zusammen Kaffee und Donuts und unterhielten uns mit den andern Leute, die dort im Nichts unterwegs waren, als auf einmal ein weiterer Radfahrer eintrat. Jener war allerdings mit Batterie unterwegs. Trotzdem hatten wir ein interessantes Gespräch zusammen und verhockten einige Zeit in besagtem Café.
Einige Kilometer legte ich zusammen mit dem eBiker zurück. Die Geschwindigkeit war entsprechend hoch und unsere Wege trennten sich bei meiner Mittagspause wieder.
Nach einem wunderbar langem, bergab Stück gelangte ich in den Grenzort Karigasniemi, wo ich wieder auf die andern beiden traf. Der eBiker folgte nun aber seinem Weg weiter innerhalb von Finnland und Andi machte erst eine Pause im Restaurant des Ortes. Ich hingegen machte mich nach einer kurzen Glacepause ab über die Grenze.
Ein wenig nervös fuhr ich also runter zum Grenzfluss und überquerte diesen. Plötzlich sah ich die norwegische Strassenbeschilderung und fragte mich, wo der Grenzübergang war. Vermutlich war dieser bereits oben im Ort. Es war einfach niemand vorort. Über die ersparten «Probleme» erfreut, fuhr ich also weiter entlang des Flusses in Richtung meines Tageszieles.
Alle Leute, welche ich unterwegs getroffen und mich mit ihnen über Norwegen unterhalten habe, sagten nebst «Norwegen ist wunderschön» auch «Die Landschaft verändert sich sobald du über die Grenze fährst». Und tatsächlich, die Bäume sind mittlerweile auf dieser Höhe (250m.p.M.) sowieso mehrheitlich etwas Buschähnlichem gewichen, befand ich mich nun auf einer Strasse, die dem Hang eines Hügeltals entlangführt. Ich war bereits jetzt ziemlich erleichtert mal wieder etwas Anderes als Wald und Sumpfgebiet zu sehen und freute mich extrem darauf, was noch kommt.
Auf dem Zielcampingplatz angekommen, das Zelt aufgebaut und eine warme Dusche genossen, traf auch Andi ein. Kurz darauf machte ich mich allein auf den Weg etwas richtiges zu Essen, nicht nur Penne, zu besorgen.
Vor der ausgesuchten Pizzeria angekommen, sah ich bereits zwei bepackte Bikes davorstehen. Das Restaurant betreten und die Pizza bestellt war auch schnell klar, wem diese Bikes gehörten. Es waren nebst den Angestellten nur zwei Personen im Restaurant. Einer war am Telefon und schnell merkte ich das die beiden sogar Deutsch sprechen. Ich setzte mich dazu und erfuhr, dass die Beiden auf dem Weg vom Nordkap nach Istanbul sind und darüber auch einen Blog schreiben. Wer bereits jetzt nicht mehr auf einen meiner neuen Beiträge warten kann und Lust hat, der Blog lautet www.offtherails.de.
Und ob das für heute noch nicht genug Unterhaltungen waren (Resozialisierung von 0 auf 100), traf ich zurück auf dem Campingplatz noch einen Holländer, der mit dem Motorrad unterwegs zum Nordkap war und trank mit ihm ein Feierabendbier.
Tag 37 Karasjok – Stabbursnes
Die Uhrzeit an meinem Handy und dadurch natürlich überall sonst hatte sich noch nicht um eine Stunde zurückgestellt und beim Aufwachen war ich etwas verwirrt wie spät es jetzt wirklich ist. Entsprechend zeitig kroch ich aus meinem Zelt. Die nächste Verwirrung kam sogleich. Das Zelt und Fahrrad von Andi waren bereits weg. In dem Moment als ich dachte: «Auch der ist bestimmt nicht so früh los» sah ich sein Zelt am andern Ende des Platzes. Er warnte mich bereits am Vorabend, dass er mit schnarchenden Leuten in der Nähe nicht schlafen kann. Glücklicherweise wusste oder zumindest sagte er mir nicht wer tatsächlich schnarchte. Ich vertraute selbstverständlich auf meine Unschuld 😊 und auf jeden Fall habe ich wunderbar geschlafen, hab nämlich nichts von seinem nächtlichen Umzug mitbekommen.
Direkt nach dem kurzen Einkauf begannt der Aufstieg. Schön gemächlich genoss ich die Höhenmeter und kam bald aus dem Staunen, über die Landschaft rund um mich, nicht mehr heraus. Umso weiter nach Norden ich fuhr desto schöner wurde die Landschaft. Ich kann kaum beschreiben, welch eine Freude ich während meiner Fahrt verspürte. Vielleicht war es auch ein Stück weit der Kontrast zu Finnland, aber ich wollte am liebsten alle paar Minuten anhalten, um ein Foto zu schiessen.
Spätestens als es die aufgestiegenen Höhenmeter wieder gemütlich nach unten ging und sich eine Landschaft aus Seen, Wald und Bergen mit Schneefeldern zeigte, waren meine Gefühle komplett übernommen und ich konnte es kaum erwarten dieses Land weiter zu erkunden.
Mittlerweile auf Meereshöhe angekommen und einen Tankstellenkaffee «genossen» gings die letzten Kilometer entlang der Küste. Beim Campingplatz angekommen, musste ich mit mir selbst diskutieren ob ich hierbleiben oder noch einige Kilometer weiterfahren und wildcampen soll. Da unterdessen auch schon mehr als 90 Kilometer hinter mir lagen und die Aussicht auf eine warme Dusche und einen gemütlichen Ort, um den Abend zu verbringen, trieben mich zur Entscheidung die Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen.
Den Abend lies ich gemütlich in der warmen Stube des Campingplatzes ausklingen. Aus meiner Bestellung einer Waffel wurde überraschenderweise zwei, da die Zutaten sowieso aufgebraucht werden mussten, und ich war damit gut gestärkt für den nächsten Tag.
Tag 38 Stabbursnes – Molfjellet
Am gestrigen Abend kamen noch einige Camper auf dem Campingplatz an. Ich war mit meinem kleinen Zelt vor denen da und habe der Aufforderung, mein Zelt dort aufzustellen wo es mir gefällt, natürlich folge geleistet. Der Anblick, als ich vom WC zurück zum Zelt ging, war umso amüsanter. Es reihten sich Camper an Camper eng beieinander und irgendwo dazwischen, mit gefühlt am meisten Platz, stand mein Zelt.
Wie es der Wetterbericht versprochen hatte, war der Tag angenehm sonnig warm und ich hatte guten Rückenwind. Die Kilometer, entlang der Küste, flogen nur so vorbei. Beim mir bekannten Grossverteiler Coop machte ich kurz halt, um meine Vorräte aufzustocken und dann gings auch schon nach Olderfjord. Anders als erwartet gab es in diesem Ort gefühlt nur eine Tankstelle und eine Bushaltestelle und mit einem richtigen Mittagessen wurde wieder einmal nichts.
Die Strecke, entlang der Küste, ist extrem schön und ich hielt gefühlt jeden Kilometer, um ein Foto zu schiessen.
Irgendwann kam der erste Tunnel. Ich überlegte noch kurz ob ich jetzt wirklich Licht montieren müsse, als mir ein Schild mitteilte, dass der Tunnel drei Kilometer lang sei, war die Überlegung auch erübrigt. Bereits beim Einfahren in den Tunnel kam mir ein riesiger LKW, der einen Bagger geladen hatte, entgegen und meine ersten Gedanken könnt ihr euch vermutlich selbst ausmalen…
Kurz nach dem Tunneleingang wurde die Strasse glücklicherweise breiter und es war kein grosses Problem den Tunnel zu durchqueren.
Unterwegs wuchs die Skepsis in mir einen passenden Zeltplatz zu finden, da sich rechts das Meer und links meist Felswände befanden. Zum guten Glück sah ich, oben auf einem Hügel angekommen, einen mehr oder weniger gut fahrbaren Wanderweg, welchem ich etwas folgte und einen traumhaften Ort für mein Zelt entdeckte. Der Wind war mir in dieser Nacht gut gesinnt und ich schlief tiptop.
Tag 39 Molfjellet – Nordkap
Einer der Tage, auf die ich bereits Ewigkeiten gewartet habe, ist angebrochen. Heute werde ich die letzten Kilometer zu meinem ersten grossen Ziel hinter mich bringen. Bei Nieselregen und Nebel schwang ich mich auf mein Rad und fuhr zum «bekannten» Nordkaptunnel.
Der Tunnel ist sieben Kilometer lang, was eigentlich kein Problem ist. Da dieser aber unter dem Meer durch verläuft, fährt man erst 250 Höhenmeter nach unten und muss diese logischerweise anschliessend bei 10% Steigung wieder hoch. Ich war extrem froh, dass ich relativ früh unterwegs war und in meine Richtung nicht gross Verkehr unterwegs war. Ansonsten wäre das eine ziemlich beschwerende halbe Stunde, wenn andauernd Camper und LKWs vorbeidonnern.
Mit dem Training der Schweizer Berge in den Beinen, brachte ich den Tunnel hinter mich und hielt in der letzten Ortschaft Honningsvåg um mal wider etwas essbares zu besorgen.
Das Wetter verschlechterte sich zunehmend und es wurde langsam ziemlich kalt. Da kamen die nächsten Höhenmeter genau gelegen um mich wieder aufzuwärmen. Die 350 Höhenmeter mit 8-9 Prozent Steigung wurden trotzdem langsam relativ anstrengend. Oben am Anstieg angekommen, gab es erst mal Mittagessen. Alle Jacken, die ich im Gepäck habe, angezogen.
Dank meines GPS-Gerätes wusste ich bereits, dass noch nicht fertig mit Höhenmetern war. Nach einer Abfahrt auf Meereshöhe mussten nämlich erneut 300 Höhenmeter bei ähnlicher Steigung gestrampelt werden. Oben angekommen, montierte ich mein Handy am Lenker und lies per Livestream meine Kollegen an den letzten paar Kilometer teilhaben.
«Jetzt muss ich noch bezahlen um da hoch zu dürfen?» war in etwa mein Kommentar, als ich eine Bezahlschranke sah. Der Typ war ausserordentlich freundlich und hatte vermutlich etwas Mitleid mit mir, wodurch er mir den Batch gratis in die Hand drückte.
Nach einer kurzen Besichtigung des Globus und einigen Fotos war ich schnell im Inneren der Touristenbude und genoss erstmal die Wärme und Trockenheit.
Als ich trocken war und wieder etwas warm hatte gings raus, um mein Zelt aufzubauen. Die, die bereits einmal versuchten ein Zelt bei Sturm aufzubauen, können sich in etwa vorstellen wie dämlich ich mich vermutlich angestellt habe. Schlussendlich stand jedoch meine Unterkunft. Natürlich mit allen «Wäscheleinen» abgespannt, damit mir das Ding auch ja nicht davonfliegt.
Während ich mich per Videochat mit meinen Kollegen bei der Omikron unterhielt, begann ich mit dem Spaghetti kochen. Das Wasser kochte nach einer halben Stunde immer noch nicht, da vermutlich nicht nur ich, sondern auch das Gas etwas kalt hatten und die Spaghetti mussten halt ohne kochendes Wasser irgendwie essbar gemacht werden.
Als sich meine Kollegen auf den Heimweg machten, kroch ich nochmals aus meinem Zelt, um mir ein wohlverdientes Bier zu genehmigen. Da sich die ganzen Touristen bereits in ihren Campern verkrochen hatten unterhielt ich mich mit einigen Mitarbeitern der Touristenbude.
In dieser Nacht schlief ich nicht besonders viel. Der Wind peitschte dauerhaft und immer stärker gegen mein Zelt. Irgendwann hats einen Hering ausgerissen und ich musste aus meinem warmen Schlafsack kriechen, um diesen wieder zu befestigen. Danach hatte ich keinen Bock mehr und steckte die Ohropax in meine Ohren und konnte immerhin für wenige Stunden etwas schlafen. Dabei bemerkte ich natürlich nicht, dass durch den Wind auch der Regen in mein Zelt kam und am nächsten morgen warn einige Sachen klitschnass.
Tag 40 Nordkap – Honningsvåg
Das Glück schien aber auch heute auf meiner Seite zu sein und der Wind wurde etwas schwächer und die Sonne kam zum Vorschein. Die meisten der nassen Sachen waren schnell wieder trocken.
Nachdem ich gemütlich in der Sonne gefrühstückt und mein Zelt zusammengepackt hatte, sass ich wieder in die Touristenbude hinein und kümmerte mich um das Übliche, was an einem Ruhetag erledigt werden muss, und schaute den Touristenmassen beim Begutachten des Globus zu. Wie ich aber auf einigen Fotos sah, hatte ich sehr Glück mit der Menge an Touristen. Es könnte viel schlimmer sein.
Bei meinem letzten Einkauf hatte ich noch nicht damit gerechnet, dass ich mein Lager direkt am Nordkap aufschlagen kann/darf und entsprechend nicht wirklich genug zu Essen gekauft. Da ich etwas Richtiges zu Essen wollte und es dies an der Bar natürlich nicht gab, musste ich aus mir unerklärlichen Gründen bis um halb drei warten, bis ich mir endlich einen eher durchschnittlichen aber dafür ganz günstigen… Burger bestellen konnte. Diesen verdrückt, machte ich mich auch langsam auf den Weg zur nächsten ernstzunehmenden Ortschaft «Honningsvåg».
Die Tourismusbranche hier Oben hat es anscheinend nicht nötig im Internet präsent zu sein, da die Touristen so oder so kommen. Ich fand also nur einige Hotels und nach dem Sturm letzte Nacht wollte ich nicht erneut im Zelt übernachten. Das erste aufgesuchte Hotel hatte geschlossen, da es nicht mehr Saison ist. Also gings weiter Richtung Dorfzentrum.
Auf dem Weg dahin kam mir plötzlich ein mir bekannter Radfahrer entgegen, Andi! Ich hatte mich sowieso schon gefragt wo der bleibt. Das er einen Tag länger bräuchte als ich dachte ich mir. Wie sich später herausstellte wer er ebenfalls heute am Nordkap. Wir hatten uns einfach nicht gesehen. Erfreut ihn wieder zu sehen, fragte ich ihn wo er übernachte und er erzählte mir, dass direkt in der Nähe ein bezahlbares Hostel ist.
In besagtem Hostel angekommen, hat Andi mir als erstes direkt ein Bier angeboten, welches ich überaus dankend annahm und mit ihm zusammen genoss, bevor wir uns zur Tankstelle aufmachten, um zumindest etwas halbwegs Essbares zu besorgen.
Ich bin absolut beeindruckt von dem Typen. Er ist 70 und von Hamburg, via Polen, Estland, Lettland, Litauen und Finnland bis ans Nordkap gefahren. Und das in etwa sieben Wochen. Dazu kommt, dass er gefühlt sein ganzes Leben lang auf Reisen war und entsprechend viele spannende/interessante Räubergeschichten zu erzählen hat.
Tag 41 Honningsvåg – Olderfjord
Nur ein bisschen müde von der letzten Sturmnacht, habe ich die letzte Nacht, in einem richtigen Bett, geschlafen wie ein Stein und stand auch ein bisschen später auf. Beim Frühstück habe ich mich natürlich erneut mit Andi verquatscht, was mein Aufbruch noch weiter verzögerte.
Kurz machte ich noch einen Abstecher ins «Dorfzentrum», wenn ich schon mal hier bin. War aber nicht besonders lohnend. Also gings los nach Oldefjord auf demselben Weg «runter» wie ich bereits «hoch» gekommen bin. Nur mit dem Unterschied, dass es heute um einiges schlechteres Wetter war.
Was hier stürmisch bedeutet, habe ich vermutlich immer noch nicht erlebt. Aber der Wind heute war bereits nicht mehr zu vergleichen mit zuhause. Da ich auf dem Weg um einige Fjorde herum musste, kam der Wind meist von vorne, mal von der Seite und in ganz seltenen Fällen auch mal von Hinten. Stellenweise fuhr ich mit 12km/h bergab und wenn eine Windböe kam, blieb ich fast stehen. An anderen Orten musste ich mich richtig gegen den Wind lehnen, damit er mich nicht von Fahrrad warf. Dazu kam logischerweise noch Regen, die Tunnel und 1350 Höhenmeter Anstieg.
Trotz all dem war ich nicht wirklich demotiviert. Ich fuhr die Strecke bereits bei absolutem top Wetter und wusste, dass ich heute Abend an einem warmen und trockenen Ort übernachten konnte. Also alles irgendwie easy.
Auf dem Weg traf ich zuerst auf einen vollbepackten Rennradfahrer, der von Rovaniemi zum Nordkap unterwegs war. Der nächste war ein Deutscher mit seinem Pickup samt Camperaufbau, der scheinbar nicht darauf klar kam, wie weit ich mit dem Rad bereits gefahren bin und noch fahren will. Und ein Engländer fuhr mir ebenfalls entgegen. Dieser war vor etwa fünf Wochen zuhause gestartet und fährt vom zuoberst mit der Fähre wieder zurück.
Es ist immer spannend Leute unterwegs zu treffen. Fast alle sind extrem freundlich und haben spannende Geschichten zu erzählen. Und ich merk hin und wieder, dass ich offensichtlich nicht der einzige mit solchen Ideen bin.
Auf Mittagessen hatte ich so gar keinen Bock, da dies anhalten bedeutete und bei dem Wetter war das definitiv nicht meine liebste Aufgabe. Ich konnte das Essen bis um drei herauszögern, bis mein Körper ohne Nahrung nicht mehr funktionieren wollte.
Gerade noch rechtzeitig kam ich auf dem Campingplatz an. Die Rezeption hätte eigentlich bereits geschlossen gehabt, es war glücklicherweise trotzdem noch jemand da und ich bekam den Schlüssel zu einer dieser trockenen, warmen Luxushütten.
Wie ich am gestrigen Abend mit dem Kommentar «Welcom to Norway» lernen musste, darf der Supermarkt ab 18:00 kein Alkohol mehr verkaufen. Ich also ungeduscht und mit Bierdurst noch kurz zur Tankstelle, wo ich mit Entsetzen feststellen musste, dass heute ja Sonntag ist und der Laden geschlossen hatte. Mein Notvorrat musste also als Nachtessen hinhalten und Bier gabs keins.
Tag 42 Olderfjord – Alta
Mein Kommentar auf Strava zu diesem Tag «Musig ah, Chopf abä und duräzieh» beschreibt den Tag ziemlich treffend. Das Wetter war ein wenig besser, was aber nicht bedeutet gut. Es hat immerhin nicht mehr so stark geregnet. Der Gegenwind und die Höhenmeter blieben. Stündlich wechselte das Wetter von etwas Sonnenschein zu etwas Regen.
Die Lust anzuhalten, um kurz etwas zu essen und ein bisschen die Muskeln zu entspannen kam nicht wirklich auf. Während der Fahrt hatte ich einigermassen warm. Sobald ich aber anhielt änderte sich dies dank des Wetters schlagartig. Als die Sonne ein weiteres Mal kurz zum Vorschein kam, nutze ich die Gelegenheit und machte kurz Zwangsrast an einem Parkplatz.
Auch auf diesem Abschnitt traf ich wieder zwei Radfahrer. Ein Deutscher, der von der deutsch/österreichischen Grenze zum Nordkap unterwegs ist und ein Norweger, welcher die letzten Kilometer vor sich hatte, bis er ganz Norwegen mit dem Rad durchquert hat.
Die Strasse führte mich über eine «Hochebene» nach Alta. Die Steigung bis nach oben war relativ angenehm. Oben angekommen fegte der Wind dezent über die Ebene hinweg und ich musste kilometerweise über die hügelige Strecke dagegen antreten, bis endlich die erste Abfahrt kam. Logischerweise durfte ich diese grösstenteils strampeln, da mich der Wind wieder nach oben befördern wollte.
Nach dem letzten Gegenanstieg kam endlich die nächste Abfahrt. Dieses Mal benahm sich der Wind und ich konnte immerhin ein paar Kilometer geniessen.
Die letzten, relativ gemütlichen, Kilometer führten mich entlang der Küste zur ersten «grösseren» Ortschaft «Alta». Dort angekommen konnte die Gönnung nach zehn Tagen radeln endlich beginnen. Die Hotelpreise in diesem Land ruinieren mich vermutlich noch aber Hauptsache einen trockenen, warmen Ort und ein richtig bequemes Bett.
Zum Abschluss des Tages gabs noch eine leckere Pizza und verdientes Bier. Der Service war zwar unfähig, aber ich musste ja unglücklicherweise erfahren, dass man hier ab 18:00 sonst kein Alkohol mehr bekommt.
Ich beginne erst langsam zu realisieren, was ich da eigentlich vollbracht habe. Als ich am Nordkap ankam, war das zwar ein toller Moment jedoch realisierte ich nicht wirklich was das bedeutet. Erst bei der Abfahrt vom Nordkap kamen die Emotionen schon eher zum Vorschein. Vermutlich werde ich erst zurück zuhause realisieren, welch eine Distanz ich mit dem Rad zurückgelegt habe.
das vergessene Foto:

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Harald Klein 24. August 2020
Endlich bin ich dazu gekommen, den Bericht zu lesen…
SUPER Leistung, GRATULIERE👍✌💪!!!
FREUE mich bereits auf die nächsten Berichte, gute Fahrt. LG, Harald
Tobias Zweifel 24. August 2020 — Autor der Seiten
Danke viel mal! Ez musst du immerhin nicht lange auf einen neuen Bericht warten. Es ist ja schon wieder Montag…